8. September 2012 

Pioniere der visuellen Kommunikation:
Max Bill

 

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Der Schweizer Architekt, Künstler und Designer Max Bill

 

 

Der Schweizer Architekt, Künstler und Designer Max Bill (geb. 22.12.1908 in Winterthur, gest. 09.12.1994 in Berlin) ist diesmal an der Reihe. Er war ein bedeutender Vertreter der Züricher Schule der Konkreten, sowie Weggefährte und Mitstreiter von Otl Aicher. Gemeinsam haben sie 1953 die legendäre Hochschule für Gestaltung in Ulm gegründet, die nach dem Bauhaus als die bedeutendste Gestaltungsakademie des 20. Jahrhunderts gilt.

Max Bill wuchs in der Schweiz auf und absolvierte von 1924 – 1927 eine Lehre zum Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich. Im Anschluß daran studierte er 1927/28 am Bauhaus in Dessau, wo er von so großen Meistern, wie Albers, Kandinsky, Klee, Moholy-Nagy und Schlemmer beeinflußt wurde. Im Bereich Architektur war Le Corbusier sein großes Vorbild. Die Bauhaus–Ideen der Moderne prägten ihn nachhaltig. Insbesondere die vom Bauhaus–Lehrer Josef Albers vertretene Auffassung vom Quadrat als neutrale Plattform für die Erfindung zeitloser Formgesetze inspirierte Bill. So befasste er sich in seiner künstlerischen Arbeit quer durch alle Disziplinen mit der Entwicklung einer elementaren , mathematisch–geometrisch organisierten Bildsprache. Typisch für seine grafischen Arbeiten jener Zeit sind die ausschließliche Verwendung von Kleinbuchstaben, asymmetrische Anordnungen sowie abstrakt–geometrische oder organische Formen. Seine Seitenlayouts entwickelte er zunehmend aus modularen , der Architektur entlehnten Systemen. Er war damit der Erfinder des Satzspiels und der typografischen Rastermodule. Ab 1929 folgte eine Tätigkeit als Architekt und ab 1932 als Maler und Designer und Bildhauer. Zu dieser Zeit definierte er seine Vorstellungen von der Konkreten Kunst in einem Ausstellungkatalog des Kunsthauses Zürich. Diese Kunstströmung wurde von Theo van Doesburg begründet und beruht im Idealfall auf den schon erwähnten mathematisch–geometrische Grundlagen. Sie ist im eigentlichen Sinne nicht „abstrakt“, da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern im Gegenteil Geistiges materialisiert, keinerlei symbolische Bedeutung besitzt und mehr oder weniger rein durch geometrische Konstruktion erzeugt ist. Max Bill gilt neben Richard Paul Lohse als einer der wichtigsten Vertreter der Konkreten Kunst.

 

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Ein Ausstellungsraum mit typisch geomtrischen Werken der Konkreten Kunst

 

 

Seid 1936 war Bill auch als Publizist tätig und gründete den Allianz–Verlag. Es folgten Lehraufträge an der Züricher Kunstgewerbeschule, sowie die Gründung der Hochschule für Gestaltung Ulm gemeinsam mit Otl Aicher. Das Schulgebäude wurde von ihm entworfen und er war von 1953–56 der erste Rektor der Akademie. Weitere wichtige Stationen seines künstlerischen Wirkens waren die Documenta I (1955), II (1959)und III (1964) in Kassel, wo er seine Werke ausstellte. Zahlreiche Künstler und Designer späterer Jahre nahmen sein Werk zum Vorbild.

 

 

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Der “Ulmer Hocker” von 1954 geht als berühmtes Werk Bills in die Designgeschichte ein

 

 

Der „Ulmer Hocker“ von 1954 ist eines seiner bekanntesten Werke. Dieses Möbelstück ist multifunktional und kann sowohl als Tablett, Hocker und als Teil eines Regals benutzt werden. Weiterhin bedeutend als Designer sind seine Ziffernblätter für Junghans– Wand– und Armband Uhren, sowie eine Reihe an plastischen Skulpturen und Gemälden der Konkreten Kunst. Für sein Lebenswerk wurde er mit zahlreichen Preisen und Ehrungen, unter anderem dem Kunstpreis der Stadt Zürich, dem Helmut-Kraft-Preis für bildende Künste, Stuttgart, der Ehrenmitgliedschaft/ Honorary Member of the AIA American Institute of Architects u.a. bedacht.

Auch poltisch war Max Bill aktiv. Er war ein engagierter Antifaschist, protestierte gegen kalten Krieg und atomare Aufrüstung, war gegen den Vietnamkrieg und schon in den 1950er Jahren für Belange des Umweltschutzes. Von 1961 bis 1968 war Bill zudem Mitglied des Zürcher Gemeinderates sowie von 1967–1971 im Schweizer Nationalrat.

Max Bill war ein Multitalent, der sich auf den Gebieten zwischen Architektur, bildender und angewandter Kunst Zuhause fühlte. Seine Einflüsse auf das moderne Grafikdesign sind mit den Werken der Konkreten Kunst und der sich daraus abgeleiteten typografischen Rastersysteme unumstritten. Er hat die geometrisch–mathematischen Grundsätze festgelegt nach denen auch heute noch jeder Designer Satzspiegel, typografische Raster und Flächeneinteilungen entwirft. Bemerkenswert ist außerdem, dass im hiesigen Kulturspeicher Würzburg zahlreiche Werke von Max Bill zu bewundern sind. Der Kulturspeicher gilt als einer der Hochburgen dieser Kunstströmung in Europa. Würzburg ist nicht gerade für kulturelle Vielfalt bekannt. Deshalb ist dieses Museum umso bemerkenswerter und diese Stadt könnte wirklich mehr von dieser Sorte vertragen.

Meine Serie wird mit Jan Tschichold , einem weiteren klassischen Designer und Typografen fortgesetzt. Im Anschluß werden dann eine Reihe zeitgenössischer Pioniere der visuellen Kommunikation vorgestellt, deren Arbeit ganze Heerscharen von Grafikern inspiriert. Es sind also noch einige interssante Beiträge zu diesem Thema zu erwarten…….

 

Fotos:
Rene Spitz – FLICKR CC BY-ND 2.0

Andreas Schwab – FLICKR CC BY-NC-SA 2.0

 

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Kategorien: #3 Grafikdesign, #8 Archiv

 

 

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