1. September 2012 

Pioniere der visuellen Kommunikation: Kurt Weidemann

 

grafikdesigner würzburg

Kurt Weidemann auf der TYPO 2008 in Berlin. In hohem Alter hält er noch Vorträge zum Thema visuelle Kommunikation

 

 

Meine Serie über bekannte Persönlichkeiten der visuellen Kommunikation möchte ich heute fortsetzen und zunächst nochmal den ein oder anderen klassischen Vertreter vorstellen, bevor ich dann zu zeitgenössischen Gestaltern komme. Heute ist der deutsche Grafikdesigner, Typograf und Autor Kurt Weidemann (geb. 15. Dezember 1922 in Eichmedien, Ostpreußen/Masuren, gest. 30. März 2011 in Selestat, Elsass) an der Reihe.

Neben Aicher gilt Weidemann als weiterer Wegebereiter des Corporate Designs, hat er doch die Erscheinungsbilder von so bekannten Unternehmen wie co op, Zeiss, Merck, Mercedes-Benz, Daimler-Benz, Deutsche Aerospace, Porsche, und Deutsche Bahn entworfen und überarbeitet.
Außerdem war er auch im Bereich Editorialdesign tätig und gestaltete Bücher für die Büchergilde Gutenberg sowie die Verlage Ullstein, Propyläen, Ernst Klett und Thieme.

Weidemann wurde in Masuren Ostpreußen geboren und wuchs in Lübeck auf, wohin seine Familie 1926 übersiedelte. Nach dem Kriegsdienst unter Hitler absolvierte er von 1950 bis 1952 eine Lehre als Schriftsetzer in Lübeck und anschließend von 1953 bis 1955 ein viersemestriges Studium der Buchgrafik, visuellen Kommunikation und Typografie bei Walter Brudi an der staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung war Weidemann ab 1955 als freiberuflicher Grafikdesigner, Werbeberater und Texter tätig und war von 1955 bis 1964 Schriftleiter der Fachzeitschrift „Druckspiegel“.

Ab 1964 wurden ihm als Professor für visuelle Kommunikation zahlreiche Lehraufträge zuteil, unter anderem an seiner eigenen Ausbildungsstätte in Stuttgart und ab 1991 an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Anfang der 1980er Jahre beteiligte er sich an der Gründung der WHU – Otto Beisheim School of Mangaement in Vallendar und unterrichtete dort ab 1983. Desweiteren gründete er in den 1960er Jahren zusammen mit Aaron Bruns das „International Center for the Typographic Arts“ in New York, dessen Präsident er von 1966 bis 1972 war.

 

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Weidemanns Hauschriftart von Mercedes–Benz, die Corporate A–S–E, prangt auch heute noch unter dem legendären Mercedes Stern

 

 

Weidemann war als Grafikdesigner an der Entwicklung und Überarbeitung von Erscheinungsbildern zahlreicher namhafter Unternehmen maßgeblich beteiligt. Bereits in den 1960er Jahren entwarf er für die Supermarktkette co op, für Merck, Behr GmbH & Co. KG, sowie der Nanz–Gruppe das Corporate Design.

Sein wohl bekanntestes Werk der visuellen Kommunikation dürfte die Entwicklung der Schriftfamilie Corporate A–S–E sein. Diese löste die 52 bis dato existierenden Schriften des Mercedes–Benz-Konzerns ab, für den Weidemann ab 1987 als Berater der Corporate Identity tätig war. Diese Schrift ist auch heute noch die Hausschrift des Weltkonzerns und prangt quasi unter jedem Mercedes-Stern. Mit Porsche hat Weidemann einem weiteren Kraftfahrzeugkonzern seinen Stempel aufgedrückt und im Jahre 1990 dessen Wappen und Namenszug überarbeitet.

Im Jahre 1993 beauftragte die Deutsche Bahn AG Weidemann mit der Überarbeitung des Logos, nachdem der Konzern zuvor erhebliche Verluste hinnehmen musste. Weidemanns Logo für die Deutsche Bahn sieht der Kennzeichnung , die die Deutsche Bundesbahn in ihren Anfangsjahren an ihren Bahnbussen (in Höhe der Frontstoßstange und am Heck) verwendet hat, verblüffend ähnlich.

 

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Für so renommierte Unternehmen wie die Supermarktkette co op, Porsche und die Deutsche Bahn entwickelte und überarbeitete Weidemann Corporate Designs

 

 

Desweiteren gestaltete der Grafikdesigner Weidemann mitte der 1990er Jahre für die Bankgesellschaft Berlin ein Logo aus drei miteinander verschränkten Balken in den Farben Gelb, Blau und Rot, für das er von einem der Auftraggeber als einfallslos kritisiert wurde. Er entgegenete jedoch: „Darauf bin ich besonders stolz, ein Zeichen ist gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann!“.

Weiterhin bedeutend sind die Schriftentwürfte ITC Weidemann (1983), Corporate A–S–E (Mercedes –Benz) sowie Klett Domus, die Hausschrift des Ernst Klett Verlags

Für sein Lebenswerk wurden Weidemann, wie auch Aicher, zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen zuteil. Unter anderem erhielt er 1995 den Lucky Strike Designer Award der Raymond–Loewy-Stiftung, sowie 1996 das Bundesverdienstkreuz. Im Jahre 2006 wurde er zum Ehrensenator der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart ernannt. Desweiteren war er Ehrenmitglied beim Artdirectors Club, Deutschland (ADC), der Allianz deutscher Designer (AGD), sowie dem Bund Freischaffender Foto–Designer (BFF).

Weidemann hinterlässt ein umfangreiches Lebenswerk, dass einige Meilensteine der visuellen Kommunikation enthält. Bemerkenswert finde ich hierbei, dass er bis ins hohe Alter und kurz vor seinem Tod im vergangenen Jahr noch kreativ tätig war. Vielleicht kann man ihn als den „Picasso der Grafikdesigner“ bezeichnen, denn auch er war ja bekanntermaßen in hohem Alter noch künstlerisch aktiv und brachte sehr innovative Werke hervor.

Im nächsten Beitrag möchte ich mit Jan Tschichold noch einen klassischen Vertreter vorstellen, um dann allmählich einen Bogen zu schlagen zu so zeitgenössischen Gestalterpersönlichkeiten wie Stefan Sagmeister, Erik Spiekermann, Uwe Loesch, David Carson, Neville Brody u.a.

In jedem Fall soll die Serie als Anregung dienen sich noch ausführlicher mit den Werken der jeweiligen Grafikdesigner zu beschäftigen und sich für die eigene kreative Arbeit inspirieren zu lassen, denn als kreativer Kopf muss man immer die Augen offen halten um sich persönlich und gestalterisch weiterzuentwickeln.

 

 

Fotos:

Stewf – FLICKR CC BY-NC-SA 2.0

Bildbunt – FLICKR CC BY-NC-SA 2.0

conthunter – FLICKR CC BY-NC-SA 2.0

 

 

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Kategorien: #3 Grafikdesign, #8 Archiv

 

 

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