10. Mai 2014 

Informationsdesign – Ein Spannungsfeld mit Zukunft!

 

informationsdesign

Bildquelle: Schub@ – FLICKR CC BY-NC-SA 2.0

 

Mein aktuelles Projekt für den Auftraggeber RWTH Aachen University befasst sich mit einer Forschungsstudie zum Thema Klimawandel, genauer gesagt Stadtklimatologie (Urbane Wärmeinsel). Aktuell bin ich im Prozess und es entsteht eine sehr illustrative Lösung, kombiniert mit klassischen Diagrammen und Schaubildern. In diesem Beitrag möchte ich das Thema Informationsdesign etwas näher beleuchten. Letztlich sind Informationen ein sehr weit gefasster Begriff, sodass man jegliche Form der visuellen Kommunikation als Informationsdesign bezeichnen könnte. Für mich ist unter diesem Begriff allerdings klassisch die Datenvisualisierung zu verstehen, wie man sie aus dem Bereich der Wissenschaft kennt. Auch Leit- und Zeichensysteme, sowie Interfacedesign fallen darunter, womit die Begrifflichkeit als eine Teildisziplin der visuellen Kommunikation eingegrenzt wäre.

Wir befinden uns im Informationszeitalter. Täglich werden wir über alle möglichen Kanäle mit Informationen regelrecht bombardiert. Diese zu erfassen, zu sortieren und einzuordnen, sowie letztlich den Überblick zu behalten ist nicht immer einfach. Laut Rüttgers verdoppelt sich das menschliche Wissen alle 5 bis 7 Jahre und dieser Zeitraum verkürzt sich immer mehr. In welchem Umfang das Wissen wirklich wächst, kann zwar nur ungefähr bestimmt werden, weil es kein universelles Maß für Wissen gibt. Dennoch ist die rasant fortschreitende Entwicklung nicht zu übersehen.

Die Informationsüberflutung erschwert somit das Finden richtiger und wichtiger Information. Genau an diesem Punkt setzt das Informationsdesign als eine Disziplin, die sich mit der verständlichen und zielgruppengerechten Aufbereitung von Informationen befasst an, um eine möglichst effektive und effiziente Nutzung durch Menschen zu ermöglichen.

Aufbereiten, sortieren, einordnen und v.a. veranschaulichen sind die Schlagworte der Stunde. Staubtrockene Materie soll auch für den geneigten Laien zugängig werden, im Idealfall sogar noch eine Geschichte erzählen und Mehrwerte liefern. Gutes Informationsdesign muss all dies leisten.
Wissenschaftliche Arbeiten sind in der Regel sehr laienhaft aufgemacht. Sie können demnach nur einem kleinen Kreis an Fachpublikum zugänglich gemacht werden. Professionelles Informationsdesign bietet hingegen die Chance diverse Themen zielgruppengerecht aufbereitet für eine breite Öffentlichkeit verständlich zu machen. So können wissenschaftliche Studien zu “Dauerbrennerthemen” wie beispielsweise dem Klimawandel dann auch den Weg von wissenschaftlichen Papers in On- und Offlineausgaben von Tageszeitungen finden.

 

diagramm

3d

Oben: Einfache, klassische Balken- und Tortendiagramme
Unten: Aufwendiger illustrierte 3D-Infografik

 

Möglichkeiten der Datenvisualisierung gibt es zuhauf: Zunächst fällt hier wohl jedem die klassische Infografik in Form von Torten-, Balkendiagrammen u.ä. ein. Mit illustrativen Fähigkeiten kann der Informationsdesigner jedoch weit mehr als diese klassischen Darstellungsformen realisieren. Es können eigene, dreidimensionale Welten mit narrativem Charakter erschaffen werden, welche die Thematik lebendig erscheinen lassen. Informationsdesigner sind in unterschiedlichen Bereichen und Branchen tätig. Sie gestalten Informationen für klassische Printmedien und digitale Medien. Handbücher, Bedienungsanleitungen und Broschüren gehören genauso zu ihrem Tätigkeitsfeld wie Websites, Software-Interfaces und Displays von Fahrkartenautomaten und Mobiltelefonen. Darüber hinaus entwerfen Informationsdesigner Leitsysteme für Messen und Flughäfen, große Gebäude und Ausstellungen. Sie testen Websites, Bedienoberflächen und Navigationssysteme auf ihre Benutzerfreundlichkeit (Usability).

Für das Massenmedium World Wide Web hat Informationsdesign in den vergangen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen und dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Es ist zum Medium Nr. 1 für die Informationsbeschaffung aufgestiegen und hat die klassische Bibliothek bereits eingeholt. Es dient aber nicht nur der Informationsbeschaffung, sondern auch der Bereitstellung von Informationen, was in den zahlreichen Blogs, aber auch auf den sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook u.a. zum Ausdruck kommt. Die Interaktion spielt für den User heute demnach eine viel größere Rolle als noch in den Anfangsjahren des Internets. Mittlerweile ruft man nicht nur Informationen aus dem Netz ab, sondern veröffentlicht im Zeitalter des Web 2.0 entweder selbst Informationen und Bildmaterial oder bedient sich noch weiterer nützlicher Funktionen.

 

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Für digitale Medien und Benutzeroberflächen wird die Bedeutung von Informationsdesign künftig steigen
Bildquelle: juhansonin – FLICKR CC BY 2.0

 

Im Zusammenhang mit den digitalen Medien tauchen immer wieder Begriffe wie Benutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit zu englisch Usability auf. Hier leistet der Informationsdesigner einen entscheidenden Beitrag, indem er dem User eine ausgeklügelten Informationsarchitektur anbietet. Eine gestaltete Website oder ein Interface kann eine gute Navigationsführung oder Benutzerfreundlichkeit haben, weil die Nutzer (also die Zielgruppe) es gewohnt sind, die Oberfläche so zu benutzen. Dies ist ein Weg, auf den man sich in der Regel verlassen kann. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass man andere Wege in der Navigationsführung von vornherein ausschließt. Um ein möglichst gutes Ergebnis im Webdesign zu erzielen, müssen Design und Usability geschlossen funktionieren. Dabei müssen immer die Ziele und Grenzen beider Seiten berücksichtigt werden, ohne sich von Anfang an gute Lösungsstrategien auszuschließen.

Als abschliessendes Fazit bleibt festzuhalten, dass das weite Feld des Informationsdesign in den nächsten Jahren noch erheblich boomen wird. Die Informationen werden nicht weniger, sondern mehr, sodass ein permanentes sortieren und einordnen notwendig ist. Die zumeist sehr laienhafte Darstellung von Informationen in wissenschaftlichen Arbeiten werden den Weg an ein öffentliches Publikum nicht finden. Hier sollte sich das Bewusstsein der Wissenschaftler für die Außendarstellung schärfen. Wenngleich wissenschaftliche Projekte i.d.R. zunächst an ein Fachpublikum gerichtet sind, gibt es sicher auch eine Vielzahl von Themen, die für ein öffentliches Publikum von Interesse und Belang sein können und deshalb auch entsprechend zielgruppengerecht aufbereitet werden sollten.

Desweiteren unterliegt die digitale und virtuelle Welt einem permanenten Bewegungs- und Wachstumsprozess und das mit Hochgeschwindigkeit. Der Informationsdesigner wird hier künftig ein breites Betätigungsfeld vorfinden und kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass der User sich in dieser virtuellen Welt künftig besser zurecht findet.

 

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Kategorien: #1 Aktuelles, #3 Grafikdesign

 

 

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