28. Dezember 2012 

Das Bauhaus – Die “Mutter” aller Gestaltungsakademien

 

designer

Walter Gropius war im Jahre 1919 der Gründer und Architekt des Bauhaus

 

Nachdem ich schon die legendäre HfG Ulm vorgestellt habe, möchte ich das Jahr 2012 mit einem Beitrag zum Bauhaus, der wohl bekanntesten und einflußreichsten Kunst– und Gestaltungsakademie des 20. Jahrhunderts beschließen. Viele große Meister vergangener Tage waren hier Schlüer und/oder haben am Bauhaus gelehrt. Sowohl das Grafikdesign, als auch das moderne Produkt– und Industriedesign, sowie die Architektur sind tief in den Lehren der Bauhaus–Akademie verwurzelt. Der Einfluß auf die Entwicklung der verschiedenen Kunströmungen und Designdisziplinen im 20. Jhd. ist demnach nicht hoch genug einzuschätzen.

Im Jahre 1919 gründete der deutsche Architekt Walter Gropius (geb. 18. Mai 1883 in Berlin, gest. 5. Juli 1969 in Boston, Massachusetts) das Staatliche Bauhaus in Weimar als Kunstschule, welches bis ins Jahr 1933 bestand und schließlich mit dem Beginn der Nazi–Diktatur ein jähes Ende fand. Es gilt noch heute als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne und prägt wesentlich das Bild deutscher Entwürfe im Ausland.

Der Vorläufer des Bauhaus, die Großherzoglich–Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar wurde von Henry van de Velde bereits im Jahre 1907 gegründet. Die ursprünglichen Intentionen von Henry van de Velde und Walter Gropius waren, die Kunst von der Industrialisierung zu emanzipieren und das Kunsthandwerk wieder zu beleben. Mit dem Begriff „Kunst“ wurde nicht die damalige Avantgarde bezeichnet, sondern die Formensprache der zeitgenössischen Entwerfer für die Produktion im Stil vergangener Epochen. Mit der Rückbesinnung auf das Handwerk war die gestalterische Intention damit verbunden, experimentell und manuell eine neue Formensprache zu entwickeln, die dem industriellen Herstellungsprozess gerecht wird.

 

design

Die rekonstruierte Fassade des Bauhauses Dessau

 

 

Bedeutende Künstler und große Meister des 20. Jhds. konnten für die Lehre am Bauhaus gewonnen werden u.a. so klangvolle Namen wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee, Wasily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Lazlo Moholy–Nagy u.a. Die Lehre am Bauhaus bestand aus einem Vorkurs und der Arbeit in Werkstätten. Als Werkstattleiter fungierten die genannten Lehrmeister.

Anfangs mischten sich romantische Rückwendung in vorindustrielle Produktionsweisen mit modernen gestalterischen Ansätzen. Als der Konstruktivist Laszlo Moholy-Nagy im Jahre 1923 die Nachfolge von Johannes Itten antrat, änderte sich auch die Grundausrichtung in ganzheitliche lebenreformerische Ideen. Kunst- und Designschulen in aller Welt nahmen sich ein Beispiel an dem gemeinsamen Vorkurs, der eine solide gestalterische Grundbasis legen sollte. Das Musterhaus „Am Horn“ in Weimar wurde 1923 das erste Projekt, das konsequent in Architektur und Einrichtung von der Neuen Sachlichkeit, wie sie insbesondere die niederländische Richtung „De Stijl“ vorgab, geprägt war.

Während der Weimarer Republik wurde das Bauhaus als „links“ und „internationalistisch“ angesehen. Im rechten politischen Sektor wurde es von Anfang an abgelehnt und so war es auch die rechtgerichtete DVP, welche die Mittel kürzte. Dies hatte im Jahre 1925 einen Umzug nach Dessau zur Folge.

In der Dessauer Zeit entstanden die ersten Möbel aus dem neuartigen Material Stahlrohr – von Marcel Breuer, Mart Stam und Ludwig Mies van der Rohe entworfen – die ersten Freischwinger. Die Zusammenarbeit mit der Industrie begann. Am 1. April 1928 trat Gropius als Direktor zurück und sein Nachfolger wurde der Schweizer Architekt Hannes Meyer. Unter ihm wurde die Zusammenarbeit mit der Industrie noch intensiviert. Der letzte Direktor war von 1930 bis 1933 der Architekt Ludwig Mies van der Rohe. Am 19. Juli 1933 löste sich das Bauhaus dann schließlich entgültig auf. Seine ehemaligen Lehrmeister und Mitglieder emigrierten in alle Welt und verbreiteten die Ideen des Bauhaus international weiter.

Als die NSDAP in Dessau das Regiment übernahm zog das Bauhaus im Jahre 1932 zwangsweis für kurze Zeit nach Berlin-Lankwitz um, wurde aber schon 1933 von den Nationalsozialisten zur endgültigen Selbstauflösung gezwungen.

 

design

Das Schaubild zeigt den Aufbau der Lehre am Bauhaus

 

 

Charakterstisch war der Aufbau des Studiums am Bauhaus, der vielen Kunst– und Gestaltungsakademien als Vorbild galt. Es war in drei Abschnitte, der Vorlehre, der Werklehre und der Baulehre gegliedert. In der Vorlehre wurden die Grundlagen in Formunterricht und Materialübungen gelegt. In der Werklehre konnte zwischen verschiedenen Lehrwerkstätten gewählt werden. Die Baulehre bestand aus der Mitarbeit am Bau mit bedingungsabhängiger Dauer. Die Lehre endete mit der Verleihung des Meisterbriefes der Handwerkskammer. Die Erziehung zum Künstler sollte nicht mehr in Klassen von Professoren (wie an Akademien) erfolgen, sondern im handwerklichen Umgang mit Objekten.

Der Einfluß des Bauhaus auf verschiedene Gestaltungsdisziplinen und der Architektur sind bis in die heutige Zeit nicht hoch genug einzuschätzen. Nachdem einige der Protagonisten, wie Josef Albers, Walter Gropius, Lazlo Moholy–Nagy u.a. vor den Nationalsozialisten flohen und in die USA emigrierten, verbreiteten sie die Bauhaus–Ideen in die ganze Welt. Besonders in der Architektur, aber auch im Produkt– und Grafikdesign setzten sich Methoden und Lehrsätze des Bauhauses rasch durch. So führte Moholy–Nagy das Konzept ab 1937 im amerikanischen Exil als New Bauhaus in Chicago weiter.

Auch dem nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bauhaus–Idee konsequent weiter gelebt. Die 1953 gegründete HfG Ulm gilt als inoffizielle Nachfolgeakademie dess Bauhaus und wurde zunächst vom ehemaligen Bauhausabsolventen Max Bill geleitet. Hier wurde vieles weiterentwickelt was die Gründer Walter Gropius u.a. bereits 30 Jahre zuvor manifestiert hatten.

Es bleibt festzuhalten, dass das Bauhaus als wegweisende Institution für die angewandte Kunst im 20. Jhd.anzusehen ist. Kunst sollte nicht länger Selbstzweck bleiben. Die Verbindung von Kunst mit handwerklichen Aspekten schuf eine neue Sichtweise der Dinge. Mit der Parole “form follows function” wurde von nun an der funktionale Aspekte in den Vordergrund gerückt und Kunst sogar für industrielle Zwecke dingbar gemacht. Die ganzheitliche Sichtweise ist hier besonders hervorzuheben. Interdisziplinäres Denken und Arbeiten in den Bereichen Kunst, Design, Handwerk und Architektur war beispielhaft für das Bauhaus und auch heute noch kann der Gestalter deren Ideen als Orientierung und Inspirationsquelle nutzen.

 

Tags: , ,

Kategorien: #7 Verschiedenes, #8 Archiv

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Kontakt

Mario Wehner
Forstmeisterstraße 22
97705 Burkardroth

fon: (0 97 34) 77 92
mail: info@mwgestaltung.de
web: www.mwgestaltung.de

© 2017 Mario Wehner | Alle Rechte vorbehalten | Impressum