23. Oktober 2014 

Blogparade “Mein Kultur-Tipp für Euch”

 

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www.blogparade.tanjapraske.de
www.freilandmuseum-fladungen.de

Zu einer weiteren Blogparade “Mein Kultur-Tipp für Euch” ruft Tanja Praske noch bis 26.10. auf. Sie ist in der Öffentlichkeitsarbeit der Bayerischen Schlösserverwaltung tätig und führt den Blog “KULTUR – MUSEO – TALK” www.tanjapraske.de. Vor Kurzem war ich im “Fränkischen Freilandmuseum Fladungen/Rhön” und sehr angetan von den historischen Gebäuden im “Museumsdorf”. Nostalgiefans kommen also wieder auf ihre Kosten und dies ist mein Kultur-Tipp für Euch!

Das kleine, beschaulich-malerische Städtchen Fladungen liegt in der Rhön, nahe dem Dreiländereck Bayern-Hessen-Thüringen. Von meinem am Südrand der Rhön gelegenen Heimatort Burkardroth machte ich mich vor Kurzem auf, um über Bischofsheim a.d. Rhön und der Hochrhönstrasse, mit Zwischenstopp am Schwarzen Moor, nach Fladungen zu gelangen. Der Stadtkern ist wunderschön mit historischen Fachwerkhäusern erhalten. Hier besichtigte ich das hiesige Freilandmuseum, in dem man diverse alte Häuser begehen kann. Es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und sehr beeindruckend.

 

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Übersichtsplan des “Fränkischen Freilandmuseums Fladungen”

 

Die Idee für ein Freilandmuseum entstand bereits 1979. Im Jahre 1990 war es endlich soweit und das “Fränkische Freilandmuseum Fladungen” öffnete seine Pforten für die Besucher.

Das Museumsgelände erstreckt sich über insgesamt 12 Hektar mit zahlreichen historischen Gebäuden und Anwesen, Kräuter- und Gemüsegärten, einem Dorfteich, Felder und Weiden, Streuobstwiesen, alte Haustierrassen, wie Rinder, Schafe, Ziegen, Hühner, Schweine, Stallhasen, Gänse, Tauben und Katzen. Wie aus dem Übersichtsplan ersichtlich, ist das Gelände regional aufgeteilt in Grabfeld-Haßberge und Spessart-Rhön.

Bauernhäuser und Höfe wurden aus ganz Unterfranken, der hessischen und thüringischen Rhön nach Fladungen transportiert und auf dem Museumgelände exakt wieder aufgebaut. Es ist desweiteren ein Tagelöhnerhaus, für Unterfranken typische Gemeindebauten wie Kirchen, Schule, Dortwirtshaus und ein Gemeindebrauhaus vorhanden. In einer Mahl- und Ölmühle kann man die alte Mühlentechnik bestaunen. Mit der Besichtigung einer Büttnerei, einem Bienenhaus und zwei Dörrhäuschen wird der Rundgang abgerundet.

An dieser Stelle möchte ich noch etwas erwähnen, was mir von Berufswegen besonders in Erinnerung geblieben ist. In einem ehemaligen alten Forsthaus, welches später zu einer Schule umfunktioniert wurde, sind alte Bleisetzkästen und eine Setzmaschine untergebracht. Für mich als Grafiker und Typograf war das natürlich besonders spannend und interessant, da ich zwar einer anderen Generation angehöre und ausschließlich mit dem Computer arbeite. Ich habe aber ein Faible für diese traditionellen Techniken.

 

Freilandmuseum_Fladungen_Kirche

 

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Zahlreiche historische Gebäude im fränkischen Baustil sind im Museumsdorf zu bestaunen. Oben die Dorfkirche.

Beim Rundgang durch die alten Gebäude kann desweiteren historisches Interior bestaunt werden. Alte Möbel, Kücheneinrichtungen, diverse Utensilien aus Haushalt, Landwirtschaft und Handwerk sind z.T. noch gut erhalten geblieben. Die Gebäude entstammen dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert. Historisch belegtes reicht bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, also kurz nach der von Not und Hunger geprägten unmittelbaren Nachkriegszeit hinein. Es muss ein sehr einfaches Leben auf dem Land gewesen sein. Letztlich drehte sich alles um die Eigenversorgung mit Nahrungsmittel, was die eigene Landwirtschaft und Hofbewirtschaftung hergab. Darüber hinaus versorgten kleine Handwerksbetriebe die Menschen mit allem was ansonsten noch notwendig war, wie z.B. Bäckereien, Schuhe, Möbel, Korbflechtereien, Fässer aus Büttnereien, selbstgebrautem Bier, Mühlen für die Getreideverarbeitung u.v.m.

 

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In den Räumlichkeiten der historischen Handwerksbetriebe wird auch heute noch alte Handwerkskunst demonstriert. Hier ist der Backtag zu sehen.

An zahlreichen Stellen in den Häusern sind auch Informationspoints eingerichtet. So zeigt eine 3D-Animation auf einem Bildschirm, wie Fachwerkhäuser seiner Zeit errichtet wurden. Es muss sehr mühsam und Zeit- und Arbeitsaufwendig gewesen sein. Dafür sind die Häuser im Vergleich zur heutigen Leichtbauweise um längen schöner, stabiler und langlebiger. In einem anderen Haus gibt es Erfahrungsberichte von Zeitzeugen welche die von Hunger und Not geprägte unmittelbare Zeit nach dem 2. Weltkrieg miterlebten.

Alte Haustierrassen wie das gelbe Frankenvieh, das Rhönschaf, Ziegen, Schweine, Tauben, Bienen u.v.m sorgen für eine lebendige Atmosphäre und in den Kräuter-, Gemüse-, Blumengärten, Streuobstwiesen und dem historischen Feldbau wird auch heute noch allerei Obst, Gemüse, Kräuter und Getreide angebaut. Abrunden kann man die Besichtigung mit der Einkehr im auch heute noch bewirtschafteten “Wirtshaus zum Schwarzen Adler”, einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert aus Alsleben, Grabfeld.

 

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Alte Haustierrassen, wie das für die Region typische Rhönschaf gehören zum Inventar des Museums.

Für mich war dieser Besuch sehr Beeindruckend und wie eine Art Heimkehr zurück den Wurzeln. Ich verfolge die aktuelle Entwicklung, geprägt von Globalisierung, Digitalisierung und totaler Vernetzung mit großer Skepsis und Sorge. Wir bewegen uns mit Höchstgeschwindigkeit auf der Datenautobahn. Die Menschen stumpfen durch die extreme Reizüberflutung zunehmend ab und verlieren den Bezug zu Ihrem Tun und ihrer Umwelt. Alles wird nur noch nach kommerziellen Gesichtspunkt quasi “ausgeschlachtet”. Ich sehe darin eine große Gefahr für die Zukunft der Menschheit.

Sicher war das Leben zur historischen Zeit auf dem Land karg, einfach und mit vielen körperlichen Mühen verbunden. Ich denke aber, dass die Menschen einen Bezug zu Ihrem täglichen Tun hatten und wertschätzten, was die Natur ihnen an Gaben zur Verfügung stellte. Dieser Respekt und Wertschätzung ist es, welche uns in der heutigen bedauerlicheweise abhanden gekommen ist.

Schade finde ich es zudem, dass solche wunderschönen Gebäude heutzutage häufig nur noch in Museen anzutreffen sind. Sogenannte moderne Dorferneurungsprogramme machen die Dörfer aus meiner Sicht eher hässlicher und unpersönlicher und nehmen den Dörfern zunehmend ihren dörflichen Charakter. Die Kommunen sollten aus meiner Sicht wesentlich mehr Wert auf Denkmalschutz- und pflege legen, wenn sie wirklich eine Dorfverschönerung erreichen wollen.

Frei nach dem Motto “Mein Kulturtipp für Euch!” möchte ich abschließend nochmals die dringende Empfehlung aussprechen sich dieses Kleinod anzusehen, wenn Ihr mal in der Nähe des Dreiländerecks/Rhön unterwegs seid. Es gibt in Deutschland bekanntlich noch einige weitere Freilandmuseen wie z.B. in Bad Windsheim oder ein von dem ehemaligen Weltklasse Skirennläufer Markus Wasmeier initiertes Projekt am Schliersee. Diese Museen möchte ich mir in naher Zukunft auch ansehen und bin schon sehr gespannt, wie andere Regionen in Deutschland sich historisch darstellen.

 

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Kategorien: #1 Aktuelles, #2 Nostalgisches

 

 

Kommentare (4)

  1. Tanja Praske sagt:

    Lieber Mario,

    danke für deinen schönen KultTipp. Auch die Kritik an der Digitalisierung der Lebenswelt ist berechtigt, wenngleich nicht alles von damals rosarot zu zeichnen ist, was du ja auch nicht tust. Lies dir mal den Beitrag von Friederieke vom LandlebenBlog durch. Auch Sie beschreibt ihre Berührung mit einem Freilichtmuseum im Odenwald. Sie kiritisiert ebenso gegen die Verklärung der Vergangenheit, trotzdem vermittelte ihr das Gesehene irgendwo Geborgenheit und ein Stück Heimat.

    In der Blogparade sind schon mehrere Beiträge zu Freilichtmuseen eingegangen: Detmold von Daniela, Keltendorf von Kultur-Urzeit, Landlebenblog und vielleicht noch im weitesten Sinn mein Post zum Tierpark Neuhaus. Ähnlich und doch alle so verschieden!

    Vielen Dank und viel Spaß beim Stöbern der teilnehmenden Blogs. Vermutlich geht es bis zum 25.10.14 noch hoch her – ich lasse mich überraschen!

    Sonnige Grüße
    Tanja

  2. […] gestaltung & kommunikation, Mario Wehner: “Blogparade “Mein Kultur-Tipp für Euch” (24.101.14) // @MariaWehner02 (Freilandmuseum, Fladungen/Rhön, Kritik an […]

  3. […] Fränkisches Freilandmuseum Fladungen/Rhön“ mw gestaltung und kommunikation – Freilichtmuseum, Franken Nostalgiefans kommen hier auf ihre […]

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